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Buch

Zuckerraffinerie Rositz

Beschreibung

Bad Homburg und Leipzig, 1996. 104 Seiten. Ausführliche und sehr lesenswerte Darstellung der Geschichte der Raffinerie bis 1945 aber auch Ihres Vorläufers der Altenburger Zuckerfabrik- Kohlenbau- und landwirthschaftschaftliche Industrie-Gesellschaft, Einige Abbildungen. Besonders beleuchtet werden auch soziale und Umweltaspekte.

Die im kleinen Herzogtum Sachsen-Altenburg 1882 gegründete Gesellschaft entstand auf dem Gelände der kurzlebigen Zuckerfabrik in Rositz (1871-74, Altenburger Zuckerfabrik- Kohlenbau- und landwirthschaftschaftliche Industrie-Gesellschaft). Zunächst Melasseentzuckerung und ab 1904 Verarbeitung von Rohzucker. Ab 1922 mit den Zuckerraffinerien Halle und Cöthen in der Mitteldeutschen Zuckervereinigung vertraglich verbunden. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine von vier Zuckerraffinerien auf dem Gebiet der späteren DDR und entsprechend 1946 verstaatlicht. Ab 1956 Verarbeitung von kubanischem Rohzucker und 1964 letzte Kampagne. Anschließend nur noch Verpackung von Zucker und Herstellung von Verpackungen Packhilfsmitteln. Bis in die 1960er börsennotiert.

Die Gründung der Gesellschaft ist eigentlich ein Wirtschaftskrimi. In den 1870ern war in der Raffinerie in Dessau ein Verfahren der Melasseentzuckerung unter Verwendung eines bis dahin seltenen Minerals - Strontianit - entwickelt worden. Mit diesem Verfahren konnten die Kosten der Zuckergewinnung gegenüber der traditionellen Verwendung von Kalk deutlich gesenkt werden - was der Raffinerie erhebliche Gewinne bescherte. Allerdings ließ man sich das Verfahren aus berechtigtem Mißtrauen gegen das recht neue deutsche Patentamt nicht patentieren sondern setzte auf Geheimhaltung. Dem in der Zuckerindustrie damals bekannten Chemiker Carl Scheible - selbst für das Patentamt tätig - gelang es mit Methoden der Industriespionage das Geheimnis zu lüften und ein entsprechendes Patent anzumelden. Berliner Finanziers lizensierten das Verfahren und wählten die in Schwierigkeiten befindliche Raffinerie in Rositz zur Umsetzung aus.

Ausführlich dargestellt wird auch das Genehmigungsverfahren für eine geplante chemische Fabrik. Auch Anfang des 20. Jahrhundert ging es schon um eine Abwägung von Umwelt gegen wirtschaftliches Wachstum, wurden Gutachten und Erfahrungsberichte eingeholt und Eingaben von Bürgern abgewogen und in diesem Fall die Genehmigung versagt.