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K.K. Priveligirte Zucker-Raffinerie in Königsaal bey Prag

Aktie | 01. Jul 1792
Typ Aktie
Nummer 259
Nennwert 350 Gulden Wiener Corrant
Ausgabeort Tschechien, Prag
Ausgabedatum 01. Jul 1792
Druckerei ohne Angabe
Sprache Deutsch
Farbe schwarz
Erwerbsjahr 2021
Beschreibung

Absolute Rarität und eines von zwei bekannten Stücken der vermutlich ältesten deutschsprachigen Aktienemission. 1792 begeben in Prag zur Finanzierung einer Zuckerraffinerie - damals ein absolutes Pionierunternehmen. Aktienurkunde im Stil einer notariellen Urkunde - ähnlich den Aktien und Anleihen aus den Niederlanden aus vergleichbarer Zeit. (zB Suiker Plantagie Boxel, 1778) Papiersiegel hier. Das Unternehmen selbst war allerdings nicht besonders langlebig - bereits 1796 Verkauf der Einrichtung an ein Nachfolgeunternehmen.

Das folgende stammt von Wikipedia abgerufen am 2.5.2021: Schloss Zbraslav – Wikipedia
1786 konnte die Hofkanzlei Josef Edler von Sauvaigne, der bereits in Klosterneuburg eine Zuckerraffinerie gegründet hatte, für die Errichtung der ersten Zuckerraffinerie im Königreich Böhmen gewinnen; zuvor bestanden seit 1769 verschiedene Pläne zur Errichtung einer Zuckerraffinerie in Prag, die jedoch gescheitert waren. Mit Dekret vom 5. Mai 1787 erhielt Sauvaigne die Erlaubnis zur kostenlosen Nutzung der Klostergebäude mit Ausnahme der Prälatur sowie die Zusage einer eigentümlichen Übertragung der Gebäude nach Eintritt wirtschaftlicher Blüte des Unternehmens. Er ließ im Sommer in der Presse einen Aufruf zur Gründung einer Aktiengesellschaft k. k. privilegierte bömische Zuckerrafinerie zu Königsaal bey Prag mit einem Kapital von 150.000 Gulden auf 300 Aktien veröffentlichen. Am 17. Juni 1787 wurde das Konventsgebäude an die Aktiengesellschaft Fries & Co. unter Leitung des Direktors Sauvaigne vermietet. Nach den Umbauten wurde im September der erste Kessel feierlich in Betrieb genommen. Wenig später erlangte Sauvaigne durch Kaiser Joseph II. das Recht zur Bezeichnung als k.k. privilegierte Fabrik und der Verwendung des kaiserlichen Adlers. Hinzu kam noch u. a. das Recht zur Nutzung der öffentlichen Lagerhäuser in den drei Prager Städten (Altstadt, Neustadt, Kleinseite), Lemberg, Wien, Brünn und Linz. Bald produzierte die Fabrik in acht Kesseln und beschäftigte 75 Arbeiter. Nach dem Tode Josephs II. beendeten ein langwieriger Streit mit den Großhändlern um die Monopolstellung der Raffinerie sowie die neue konzeptionslose Zollpolitik die kurze Blüte des Unternehmens.
1796 übernahm mit der k.k. Privilegierten Zuckersiederei in Königsaal den Betrieb mit vier Kesseln. Im Zuge der Auflösung der alten Aktiengesellschaft traten die meisten Aktionäre dem neuen Unternehmen bei, wobei dieses die Produktionsanlagen kaufte und die bis 1810 erteilte Konzession erwarb. In Folge der Napoleonischen Kriege war der k.k. Privilegierten Zuckersiederei in Königsaal kein gewinnbringender Betrieb beschieden. In dieser Zeit erfolgte auch erfolglose Versuche zur Zuckergewinnung nach dem Achardschen Verfahren aus Hořowitzer Rübensirup. 1803 stellte das Unternehmen seine Produktion ein, danach erfolgte die Versteigerung des Inventars. Damit gab es in Böhmen keine Zuckerfabrik mehr und der Zucker musste wie vor 1787 importiert werden.
1812 lehnte die Hofkammer zunächst ein Gesuch von vier Interessenten wegen des Betriebs einer Zuckerfabrik in Königsaal unter staatlicher Verwaltung ab. Im selben Jahre erhielt Anton Richter die Konzession; er kaufte am 20. August 1812 die Gebäude und erhielt das ausschließliche Landesprivileg für die Verarbeitung heimischer und kolonialer Rohstoffe. Richter war zunächst nicht erfolgreich, 1815 musste er die Produktion einstellen und ging ins Ausland. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen kehrte Richter 1818 nach Königsaal zurück und nahm die Produktion wieder auf, wobei er neben Zucker auch andere chemische Stoffe herstellte. 1819 beteiligte sich der Prager Kaufmann Heinrich Herz als Compagnon an dem Unternehmen. Im Jahre 1823 machte sich Herz selbständig, neuer Compagnon Richters wurde Franz Ferdinand Kolb. Mit einer Jahresproduktion von über 12.000 Zentnern Raffinade gehörte die Königsaaler Raffinerie inzwischen neben den Raffinerien in Fiume und Triest zu den größten der k.k. Monarchie. 1824 wurden die Raffinerie und die Chemische Fabrik, in der u. a. Schwefelsäure, Salzsäure, Salnit (gereinigter Salpeter, insbesondere Kaliumnitrat), Alaun, Soda und Kreosot hergestellt wurden, zu getrennten Unternehmen. Im Jahre 1832 gründete Richter in Königsaal eine Runkelrüben-Zuckerfabrik, im selben Jahr entstanden auch in Dačice und Bezděkov zwei weitere Fabriken, die ebenfalls Rübenzucker produzierten. Die Richterschen Zuckerfabriken in Königsaal gehörten zu den technisch vollkommensten Zuckerfabriken der k.k. Monarchie und zu den Pionieren der Rübenzuckerindustrie. Die Königsaaler Zuckerfabriken deckten einen Großteil des Zuckerproduktion der böhmischen Länder und leiteten maßgeblich den Wandel von der Rohr- zur Rübenzuckerherstellung in der k.k. Monarchie ein. 1831 errichtete Richter in Klein-Kuchel eine weitere Zuckerfabrik, bei der sich jedoch neben technischen Probleme bei der Wasserversorgung auch gravierende Versorgungsprobleme mit Rohstoffen zeigten. Daraufhin wurde die Klein-Kucheler Zuckerfabrik in die leerstehende Königsaaler Brauerei verlagert und das Areal der Klein-Kucheler Fabrik an die Waffenfabrik Evans & Lee verpachtet.[3]
Im Jahre 1845 produzierten in den ehemaligen Klostergebäuden drei Zuckerfabriken; die k.k. landesprivilegierte Zuckerraffinerie zu Königsaal von Anton Richter, die Runkelrüben-Zuckerfabrik zu Königsaal von Anton Richter und die herrschaftliche Runkelrüben-Zuckerfabrik.[4]
Der gesellschaftliche Umbruch in der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die beginnende industrielle Zuckerherstellung führten schließlich zur Einstellung der Zuckerfabrikation in Königsaal. Nach der Abschaffung der Erbuntertänigkeit konnten die Bauern ihre Erzeugnisse frei verkaufen. Es entstanden zahlreiche neue bäuerliche Zuckerfabriken in Form von Genossenschaften oder Aktiengesellschaften, in der näheren Umgebung waren dies die Zuckerfabriken Modřany (1861), Uhříněves (1868) und Radotín (1872). Die Nutzung der alten Kloster- und Brauereigebäude als Betriebsstätte wurde dabei zunehmend zum Standortnachteil, der in den 1860er Jahren eine notwendige Neugestaltung der Produktionsanlagen verhinderte. Nach der Betriebseinstellung kaufte Karl Friedrich zu Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein im Jahre 1875 die ehemalige Zuckerfabrik und ließ die Fabrikgebäude, die Esse sowie das gotische Kirchlein St. Johannes des Täufers, das als Zuckerlager und Heuboden gedient hatte, abbrechen.